Besuch bei Camille Saves – April2013

Hinter diesem kleinen Eingang befinden sich die großzügige und perfekt ausgestattete Produktionsstätte von Camille Saves

Man vermutet nicht, dass hinter diesem kleinen Häuschen eine sehr großzügige und perfekt ausgestattete Produktionsstätte steckt

So etwas hatte ich noch nie gesehen: die Räumlichkeiten von Camille Saves sind so extrem sauber, dass man ohne Bedenken vom Kellerboden essen und mit einer weißen Jeans die Wand entlang schrubben könnte.

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Bei Camille Saves ist alles in perfekter Ordnung und garantiert staubfrei

Man legt hier sehr großen Wert auf Sauberkeit und Genauigkeit. Hervé Saves, der mich durch das Weingut führt, entschuldigt sich fast dafür und sagt, dass die Amerikaner, die in diesen Tagen in größerer Zahl zu Gast sind, das so erwarten würden. Ein großer Teil von Saves Produktion geht in die USA, insofern möchte man bei diesen Kunden einen guten Eindruck hinterlassen. Alle Räumlichkeiten sind klimatisiert, selbst die, wo die Trauben angeliefert werden. Bei der Produktion überlässt man nichts dem Zufall und ein klein wenig so schmecken auch die Champagner: geradlinig und total exakt.

Geschmacklich das komplette Gegenteil dazu ist für mich z.B. Vincent Laval, wo die Champagner irgendwie ein wenig „dreckig“ (nicht negativ gemeint, ich finde das genial) und nach Bauernhof schmecken. Ich stelle mir vor, dass auch die Produktionsstätte von Vincent das genaue Gegenteil zu der von Camille Saves ist. Auch die Typen könnten unterschiedlicher nicht sein: während Saves sehr adrett und ein wenig amerikanisch aussieht, ist Vincent Laval der Naturbursche schlechthin. Aber das ist eben das Schöne, wenn sich die Seele des Winzers in seinem Produkt wiederfindet und auf seine Weise ist jedes ja auch sehr gut.

Gemütliche, mediterran anmutende Verkostungsstube

Gemütliche, mediterran anmutende Verkostungsstube

Steckbrief:
Größe des Weinguts: 10 ha
Weinberge: 6 ha in Bouzy, Rest verteilt sich auf einige Dörfer südlich der Montange de Reims
Angebaute Rebsorten: Pinot Noir und Chardonnay
Rebstöcke: 35-40 Jahre alt
Produktion: Ca. 90.000 Flaschen/Jahr

Historie:
1894 heiratete Eugène Savès Anaïs Jolicoeur, deren Familie Weinberge in Bouzy besaß, jedoch keine eigenen Erzeugnisse auf den Markt brachte. Das Paar begann 1910 damit eigenen Champagner zu produzieren, Sohn Louis folgte der Tradition, genauso wie dessen Sohn Camille, dessen Name das heutige Weingut trägt. 1982 übernahm Camille’s Sohn Hervé und führt den Betrieb seither zusammen mit seiner Frau mit großem Erfolg und Engagement.

Weitverzweigtes Kellerlabyrinth von Camille Saves

Weitverzweigtes Kellerlabyrinth von Camille Saves

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Nicht alle Camille Saves Champagner kommen auf das automatische Rüttelpult. Millésime, Brut Prestige und Cuvée Anaïs Jolie Coeur werden noch handgerüttelt.

Das Weingut heute:
Hervé hat einige maßgebliche Veränderungen durchgeführt, die sich positiv auf das Weingut ausgewirkt und eine ganz eigene Stilistik kreiert haben. Ein wichtiges Detail ist, dass man auf die malolaktische Gärung verzichtet, sie sogar stoppt, falls sie von selbst beginnt. Man will so die natürliche Frische und Säure im Champagner konservieren. Mineralität, Feinfruchtigkeit und Finesse, das ist, was Saves mit seinen Champagnern zeigen möchte. Um dem Konsumenten trotz der knackigen Säure ein exzellentes Geschmackserlebnis zu bieten, lässt man die Champagner extrem lange auf der Hefe in der Flasche reifen, bevor sie auf den Markt kommen. So haben alle Champagner, bis auf den Rosé, wenn Sie verkauft werden 4-5 Jahre Hefelager auf dem Buckel. Der Rosé immerhin 33 Monate. Die Flaschen sollen, wenn sie auf den Konsumenten treffen in jedem Fall trinkreif sein.

Im Weinanbau wird unter Hervé noch sorgfältiger gearbeitet und wer das Weingut einmal besucht hat, sieht sofort, dass dies kein Lippenbekenntnis ist. Hevé ist ein Typ, der nichts dem Zufall überlässt. Wo es sinnvoll erscheint, setzt er naturnahe Mittel ein. Für die hauseigenen Cuvées wird ausschließlich der Rebsaft der ersten Pressung verwendet. Millésime, Brut Prestige und Cuvée Anaïs Jolie Coeur werden noch handgerüttelt. Was fast ein bisschen extrem anmutet, ist die Installation von Klimanalagen in allen Produktions- und Lagerräumen, die sich überirdisch befinden. Kommen die Trauben im Weingut an, werden sie in einem auf die gewünschte Temperatur gebrachten Raum abgeladen und weiterverarbeitet. So kann Camile Saves jeden einzelnen Schritt perfekt kontrollieren.

Das Weingut produziert auch einen Rotwein: den Bouzy Rouge. Dieser wird zum Einen ab Hof vermarktet, zum Anderen ist er Teil des begehrten Camille Saves Rosé. Und was dann noch übrig bleibt, findet reißenden Absatz bei anderen Produzenten für deren Rosés, wie z.B. Alfred Gratien oder Billecart-Salmon.

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Im weitläufigen Kellergewölbe mit Hervé Saves

Cuvée Anaïs: Mehr Holz? Mehr Holz!

Die Cuvée Anaïs Jolie Coeur, benannt nach Hervés Ur-Großmutter, kam zum ersten Mal als Vintage 2004 heraus. Es ist der erste Versuch eines Champagners mit einem zu 100% in Holz ausgebauten Grundweins. Bislang wurde Holz lediglich für einige Reserve Weine und für eine kleine Menge Chardonnay eingesetzt.

Das Holz bekommt diesem Champagner sehr gut, er hat eine ganz eigene Charakteristik, die sich von der restlichen Kollektion abhebt. Man hat jedoch nie auch nur im Ansatz das Gefühl, das Holz schmecke hervor, man nimmt es eigentlich gar nicht wirklich war. Aber der Champagner wirkt in sich sehr stimmig, mit eigenem Charakter, hat noch etwas mehr Tiefe und einen besonders langen Nachhall. Die Produktion ist bislang noch sehr limitiert, gerade einmal 1.000 Faschen kommen davon auf den Markt. In Zukunft wird man den Einfluss des Holz genau beobachten und den Einsatz dessen dann geg. stärker ausweiten.

Aktuelle Kollektion Camille Saves mit ein paar neuen Etiketten

Aktuelle Kollektion Camille Saves mit ein paar neugestalteten Etiketten

Die Verkostung (alles Grand Cru Lagen aus Bouzy, Ausnahme: Carte Blanche)

EXTRA BRUT
75 % PN, 25 % CH
Dosage : 4 grs
Flaschenreife: 57 Monate
Deg: Nov11
Notes: Sehr mineralisch, frisch, viel Säure, aber gut eingebunden, dennoch nicht einfach zu trinken, zeigt sich noch etwas unrund und mit gröberer Perlage

CARTE BLANCHE (1er Cru Bouzy, Ambonnay, Tours/Marne, Tauxières)
75 % PN, 25 % CH
Dosage : 9-10 grs
Flaschenreife: 45 Monate
Deg: Nov11
Notes: Ist mir persönlich zu pappig, da gefallen mir andere Basis Champagner besser, hängt evt. mit der hohen Dosage zusammen.

CARTE D’OR xx
75 % PN, 25 % CH
Dosage : 9 grs
Flaschenreife: 57 Monate
Deg: Feb12
Notes: Ganz tolle Nase, wirkt im Geschmack zunächst auch etwas süß, aber gar nicht pappig, wie beim Carte Blanche, die Süße wird dann später sehr gut eingebunden, wenn der Champagner länger im Glas ist, feine Perlage, toller Charakter, wenig Brioche. Die Säure ist derzeit nicht ganz so gut eingebunden, sticht etwas heraus. Dennoch ein Champagner, der bereits sehr viel Freude macht. Einen Tick weniger Zucker wäre toll, wenn man am Schluss alle noch einmal miteinander vergleicht, wirkt der Carte d’Or (mit Ausnahme des Carte Blanche) am süßesten.

MILLESIME 2007 xx(x)
90 % PN, 10 % CH
Dosage : 8 grs

Flaschenreife: 57 Monate
Deg: Nov12
Notes: Mehr Brioche als der Carte d’Or, wirkt zunächst auch etwas schwerer. Entweder war es die knackige Säure oder sogar Tannine, die sich an meinen Zähnen kurzzeitig festfraßen, das war etwas ungewöhnlich. Süße und Säure sollten sich in der nächsten Zeit noch besser miteinander verheiraten, dann ist dies ein sehr komplexer, spannender und sehr eleganter Champagner. Nachdem er nämlich ein wenig länger im Glas war, öffnete er sich und wirkte am Ende am rundesten von allen. Insbesondere im Abgang hinterlässt der 2007er einen sehr kompletten Eindruck.

CUVEE PRESTIGE xx(x)
65 % CH, 35 % PN
Dosage : 9 grs
Flaschenreife: 57 Monate
Deg: Nov12
Notes: Der Prestige war der Champagner (zusammen mit dem Rosé), der sich am zugänglichsten und präsentesten zeigte, der die wenigste Zeit im Glas brauchte, damit man seine Aromatik erfassen konnte. Die Säure war perfekt eingebunden und auch die mit 9g nicht dezent eingesetzte Süße erschien einem stimmig. Ultrafeine Perlage.

NEU: CUVEE ANAIS 2008 xx(x)
90 % PN, 10 % CH
Dosage : 8 grs
Flaschenreife: 57 Monate
Deg: Feb12
Notes: Sehr schöner Champagner, mit einer ganz eigenen Stilistik, die Säure ist im Moment noch etwas sehr präsent, aber wird im Abgang gut eingebunden. Starker Charakter aber nicht voluminös sondern eher kristallin. Toller Nachhall.

CUVEE ROSE xxx
60 % CH, 28 % PN, 12 % Bouzy Rouge (Rotwein aus eigener Produktion)
Ernte 08/09
Dosage : 9 grs
Flaschenreife: 33 Monate
Deg: Sep12
Notes: Ist für mich einer der besten Rosé Champagner, den ich kenne. Extrem viel drin, vielschichtig und dennoch lebhaft und fröhlich. Gefällt mir fast am besten in der gesamten Saves Kollektion. Hat eine umwerfende Aromatik und bleibt dennoch immer leichtfüßig und elegant. Spielt auf jedem Parkett. Feine Frucht, etwas ganz leicht erdiges, aber nie schwer. Feinste Perlage.

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