Besuch bei Janisson-Baradon – April 2013

DSC02454

Der Besuch bei Janisson-Baradon war kein üblicher Besuch mit Verkostung und allem drum & dran, da ich die Weine bereits mehrfach in den letzten Wochen verkosten konnte. An diesem Tag wollte ich mir einmal einen visuellen Eindruck vom Weingut selbst verschaffen und ein paar Fotos für die Noble Wine Webseite machen.

Interessierte können die Verkostungsnotizen, des genialen Triumvirats Tue Boeuf, Toulette und Chemin des Conges (neu!) hier nachlesen (zweiter Produzent von oben) und hier kann man die Champagner bestellen.

Was mich am Weingut Janisson-Baradon so begeistert ist, dass die Champagner sowohl den absoluten Kenner ansprechen, als auch Champagner Neueinsteiger. Nicht umsonst ist es mir mit Noble Wine gelungen, den Champagne Brut Réserve in kurzer Zeit gleich in vier erstklassigen Bars und Restaurants unterzubringen, die ihn nun im Offenausschank anbieten: Das Buck & Breck in Berlin, die Vintage Bar in Nürnberg sowie das OhJulia und das Le Copain II. In der neuen Münchner Hofstatt. Damit sind wir aber bereits fast am Anschlag dessen, was Cyril mir verkaufen kann, demnächst muss ich also mit anderen Cuvées ins Feld rücken.

Ich finde das aber begrüßenswert, denn das sorgt für Vielfalt und schließlich ist es mein Traum, dass man irgendwann egal wohin man geht, überall einen spannenden Champagner angeboten bekommt und so immer etwas Neues entdecken kann. Ich habe da schon einige Schaumweine impetto, die ich für sehr geeignet für den Offenausschank halte, wie z.B. die Champagner Tradition von Tarlant, Billiot, Gatinois oder Diebolt…

Simplicity statt Pomp, hier wird alle Aufmerksamkeit in die Produktion  gesteckt

Simplicity statt Pomp, alle Aufmerksamkeit wird in das Produkt investiert

Aber zurück zu meinem Besuch!: Ich wurde von Cyrils Bruder Maxence durch das Weingut geführt. Leider war eine Verständigung nicht möglich, da ich kein Französisch spreche und er kein einziges Wort Englisch :) Cyril war mit seiner Familie in den Urlaub abgereist, man wollte endlich einmal ein paar Tage gemeinsam verbringen: fünf Tage in Marseille, das müsse aber reichen…

Janisson-Baradon befindet sich in einem Wohnviertel am Rand von Epernay. Das Anwesen sieht von Außen noch relativ nobel aus, aber wenn man das Innere betritt, sind die Räumlichkeiten eher ursprünglich und bescheiden. Das Geld wird hier nicht in pompöse Präsentationsräume gesteckt, sondern ausschließlich in Kellertechnik, Fässer & Co.

Überall finden sich antike Landwirtschaftsgerätschaften, es gleicht ein wenig einem Museum. Prunkstück der Sammlung ist die alte Presse.

DSC02457

Bauernmuseum a la Janisson-Baradon

Nach Abschluss der prägnanten und stimmigen Dreierkollektion Tue Boeuf, Toulette und Chemin des Conges, experimentieren Cyril und Maxence nun mit dem Ausbau in Betoneiern. Ich bin schon sehr gespannt, was die ersten Ergebnisse bringen werden. Das vorrangigste Ziel des Weinguts ist es, mit jedem Produkt, das auf den Markt kommt, eine wirklich einzigartige Charakteristik zu erzielen. Dabei wird eher ein voluminöser, präsenter. kraftvoller Stil bevorzugt, der jedoch nicht minder komplex ist. Produkte von hohem Wiedererkennungswert.

DSC02482

Hier stehen sie die geliebten Betoneier der Gebrüder Janisson-Baradon. Erste Ergebnisse wurden aber noch nicht präsentiert…

DSC02468

Ein paar Schätze sind noch auf Lager, stehen aber leider nicht zum Verkauf… überall dasselbe! :)

Neu auf der Prowein 2013 hat Cyril auch einen halbtrockenen Champagner vorgestellt. Für mich eher zu süß um ihn normal zu trinken, das würde mir eventuell zu einem Dessert gefallen. Diese Cuvée wurde explizit für den Chinesischen Markt hergestellt und dabei dachte ich die Amerikaner wären die, die es immer süß wollen…

DSC02466DSC02462DSC02461

Hintergrundinfos & Historie:

1922 von Georges Barandon gegründet, produziert das Familienunternehmen Janisson-Baradon in der Montagne de Reims auf 9 ha etwa 70.000 Flaschen pro Jahr (zum Vergleich Moët & Chandon produziert auf ca. 1000 ha. mehr als 60. Mio Flaschen!). Alle Flaschen werden immer noch von Hand degorgiert. Wer also auf Individualität und Persönlichkeit Wert legt, der ist bei Janisson-Baradon in den allerbesten Händen. Der 1974 geborene Sohn Cyril Janisson stieg 1997 nach seinem Önologie-Studium im Burgund in den elterlichen Betrieb ein und sorgt seitdem für viel frischen Wind. Ähnlich wie die Champagner Ikone Anselme Selosse, bei dem er ein mehrmonatiges Praktikum absolvierte, hat er einige Methode der Weinbereitung aus dem Burgund mitgenommen und produziert damit zupackende, reichhaltige aber auch finessenreiche Champagner. Unterstützung bekommt Cyril seit einiger Zeit auch von seinem jüngeren Bruder Maxence.

Die Brüder Cyril & Maxence sind immer für einen Spaß zu haben

Immer für einen Spaß zu haben: Die Brüder Cyril & Maxence, bei der Messe Terroir et Talents im April 2013 in Epernay

Der Weinbau ist naturnah, es werden keine Herbizide und Pestizide verwendet. Die durchschnittliche Ertragsmenge liegt in der Champagne bei etwa 75 hl/ha, bei Janisson beträgt sie lediglich 50-55 hl/ha, bei den Einzellagen-Champagnern wie Toulette oder Tue Boeuf sind es gerade einmal 30 hl/ha. Der Chardonnay wächst in einer Grand Cru Lage.

Die Vinifizierung ist ein Mix aus Stahl und Holz mit malolaktischer Gärung für die Nicht-Jahrgangs-Champagner und 100% Holz (alte Burgunder Fässer, 3-18 Jahre alt) ohne malolaktische Gärung für die Jahrgangs Champagner. Lagerung im Holz ca. 8-12 Monate. Außerdem wird experimentiert mit dem Ausbau in Zement-Eiern.

Der Brut Selection lagert etwa 15 Monate in der Flasche auf der Hefe, die Grande Réserve, Einzellagen und Non Dose bis zu 3 Jahre. Bevor sie in den Handel kommen, werden die Weine noch mindestens 6 Monate auf dem Weingut gelagert, um sich zu harmonisieren. Durch das lange Hefelager sind die Champagner sehr cremig und würzig, mit einer sehr feinen Perlage. Extrem eigenständig und besonders sind die zwei Einzellagen-Champagner „Tue Boef“ aus 100% Pinot Noir und „Toulette“ aus 100% Chardonnay. Diese fallen auch optisch aus dem Rahmen, da sie kein Etikett tragen, sondern lediglich eine weiße Aufschrift, die wirkt wie von Hand beschriftet.

Cyril Janisson ist im Vorstand der Vignerons Indépendants der Champagne, eine Vereinigung, die für authentische, handgemachte Weine mit Persönlichkeit steht und er hat die Winzerchampagner Gruppierung Terroirs et Talents ins Leben gerufen, die sich ähnlich wie Terres et Vins und Artisans du Champagne um die Positionierung und Weiterentwicklung des Winzerchampagners weltweit einsetzt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s