Besuch bei Laetitia Billiot – April 2013

Mitten auf dem kleinen Dorfplatz in Ambonnay befindet sich die Domaine Louis Billiot

Mitten auf dem kleinen Dorfplatz in Ambonnay befindet sich die Domaine Henri Billiot

24. April 10 Uhr, strahlend blauer Himmel, da fällt es einem leicht den Tag mit Champagner zu beginnen.

Ich habe einen Termin mit Laetita Billiot, die das Zepter im Weingut vor einigen Jahren von ihrem Vater Serge übernommen hat.

Serge hatte das Weingut 1954 von seinem Vater Henri übernommen, der es in der Form gründete, in der es heute auf dem Marktplatz von Ambonnay existiert. Laetita möchte nun an das Renomee anknüpfen, das Serge aufgebaut hat, aber auch neue Wege gehen. Wir freuen uns, diese mit ihr zusammen zu beschreiten und sind gespannt, was in den nächsten Jahren passieren wird. Insbesondere hoffe ich, dass Laetitia sich ein Herz fasst und irgendwann einmal modernere Etiketten einführt… :)

Einen kleinen Ausblick bezüglich zukünftiger Pläne habe ich bereits bekommen: 2014, evt. auch später kommt erstmals ein Blanc de Noir heraus mit 100% Pinot Noir. Wenn man bedenkt, dass die Champagner von Billiot schon immer einen hohen Pinot Noir Anteil hatten, fragt man sich, warum es das bislang eigentlich nicht gab, ein BdN ist also schon längst überfällig. Von diesem werden aber erst einmal nur ein paar hundert Flaschen produziert. Der Champagner wird ein ganz neues, modernes Design bekommen (das ist doch schon mal ein Anfang!), mit einer schwarzen Flasche und einem schlichten, edlen Label.

Direkt unter dem kleinen Dorfplatz von Ambonnay lagern die Champagner von Billiot

Direkt unter dem kleinen Dorfplatz von Ambonnay lagern die Champagner von Billiot

Billiot besitzt 5 Hektar Grand Cru Lagen, die sich alle in Ambonnay befinden und über 18 verschiedene Parzellen verteilt sind. Dabei haben die Billiots immer genau das wertvollste Mittelstück des jeweiligen Weinbergs ergattert, das Stück, in dem besonders stark die klassische Charakteristik von Ambonnay zur Geltung kommt, nämlich weinig (Pinot Noir geprägt), kraftvoll, kombiniert mit Eleganz, enomer Tiefe, Komplexität und Finesse.

Die Weinbereitung ist der von Camille Saves teilweise ähnlich: Die Weine werden meist in emaillierten Stahltanks ausgebaut, die man wie bei Saves den Edelstahltanks vorzieht. Die Weine werden nicht geschönt, nicht filtriert und man verzichtet auf die malolaktische Gärung. Da die Lagen alle Grand Cru zertifiziert und dementsprechend hochwertig sind, könne man darauf verzichten, ist man bei Billiot überzeugt.

Ein großer Unterschied zu Camille Saves mit ihren weitläufigen Lager- und Produktionsstätten, ist der sehr begrenzte Platz, der Laetitia zur Verfügung steht. Da sie sich direkt in der Dorfmitte befindet, kann der Keller nicht mehr erweitert werden. „Wenn wir noch 30 cm tiefer reingraben würden, würden wir bereits beim Nachbarn durchbrechen“ sagt Laetitia.

So wird wirklich jeder Quadratcentimeter ausgenutzt, die Flaschen sind überall bis unter die Decke gestapelt und davor stehen weitere Flaschenreihen und Flaschenkörbe. Mancherorts kann man nicht zu zweit nebeneinander stehen, so eng sind die Gänge.

Bis in die letzte Ecke hat man den Raum im Kellergewölbe ausgenutzt

Bis in die letzte Ecke hat man den Raum im Kellergewölbe ausgenutzt

Unlängst gab es eine kurze Phase, wo es Probleme bei der Weinbereitung gab. Zum Einen mit dem Einsatz von zu viel neuem Holz (bei Cuvée Julie) und mit einer Korkenart, die sich nicht gut vetrug mit der Weinbereitung und die bei wenigen Flaschen zu flüchtiger Säure führte. Diese Probleme wurden aber schnell behoben und man ist wieder auf dem üblichen sehr hohen Qualitätslevel angekommen, wovon ich mich Vorort überzeugen konnte. Lediglich das Holz sollte noch ein klein wenig mehr zurückgehen bei Julie, aber da ist man bereits dabei das umzusetzen.

Billiot verwendet etwas mehr Dosage als viele junge, aufstrebende Produzenten, was insbesondere mit dem Absatz in den USA zu tun hat, die dies ausdrücklich fordern. Bei den Prestige Cuvées wie Laetita und Julie kommt dies nicht zum tragen, diese sind auch geringer dosiert. Es ist eher ein Thema, bzw. Geschmackssache beim Rosé, Réserve und Tradition.

Nähere Infos zum Dosage Thema hier: https://gluecksinseln.wordpress.com/2013/05/02/champagner-reise-april-2013-winzerentdeckungen-und-das-thema-dosage/

Hier reift der Grundwein für Julie und die Rotweine, mit denen der Rosé geblendet werden

Hier reift der Grundwein für Julie und die Rotweine, mit denen der Rosé geblendet werden

Die Verkostung

Tradition
Der Einstiegswein des Hauses, 75% Pinot Noir, 25% Chardonnay, Blend aus drei verschiedenen Jahrgängen, die erste und zweite Traubenpressung wird hier verwendet, 9g Dosage.

Das ist echtes Easy-Drinking, aber sehr stimmig und sehr balanciert! Perfekt für den Offenausschank in einer Bar. Seidige Perlage, sehr rund, wenig Säure (die zweite Pressung beinhaltet immer weniger Säure als die erste, deswegen ist der Tradition runder und zugänglicher als z.B. der Réserve). Mein verkosteter Traditon wurde Anfang Februar degorgiert und beinhaltete die Ernten 08/09/10. Er hatte 9 Gramm Zucker, die bestens eingeunden waren, sicher wären 1-2 Gramm weniger noch schöner bzw. frischer gewesen, aber es störte nicht. Ein wunderbar runder, schmeichelnder Champagner, der aber bereits eine schöne Komplexität mitbringt.

Cuvée Réserve
Blend aus drei verschiedenen Jahrgängen, hier wird nur die erste Pressung benutzt, 11g Dosage

Ich persönlich empfand den Réserve leider als pappig und viel zu süß. Was mich zusetzlich störte war, dass nebendran eine sehr eckige Säure stand. Beide Komponenenten waren nicht eingebunden und wirkten irritierend/störend zum Verkostungszeitpunkt. Sehr wahrscheinlich werden sich in der Zukunft beide Komponenten miteinander vermählen und dann wird der Réserve wieder die Trinkigkeit und Klasse haben, die man von ihm gewohnt ist. Ist eher ein Champagner, den man zum Essen trinken kann, als der Trinkchampagner Tradition.

Der Verkostungswein wurde Mitte Dezember degorgiert.

Leider gab es ihn noch nicht zu verkosten

Leider gab es den 2007er noch nicht zu verkosten

Millesime
75% Pinot Noir, 25% Chardonnay

Der 2007er war leider noch nicht fertig, deswegen verkostete ich noch einmal den 2005er. Dieser ist schon seit Längerem auf dem Markt bzw. immer noch erhältlich. Während der 2006er wegen der guten Reputation des Jahrgangs sofort ausverkauft war, gibt es immer noch Restbestände vom 2005er, der sich ein klein wenig zur „Kellerleiche“ entwickelt hatte. Ich sage bewusst „hatte“, denn als ich ihn nun erneut verkostete, zeigte er sich in einer so enorm guten Verfassung, dass ich am liebsten das ganze Glas getrunken hätte. Er ist derzeit auf den Punkt entwickelt, zeigt sich extrem balanciert, komplex, charaktervoll, mit einem enorm langen Abgang. Nach meiner Champagner Reise kam ein Kunde in den Weinladen, der mir dasselbe berichtete. Schön für Billiot Fans, die nun die Gelegenhiet haben, noch ein paar Flaschen vom 2005er zu ergattern.

Laetitia heißt nicht nur die Prestige Cuvee des Hauses, sie ist auch für den Betrieb und die Produktion insgesamt verantwortlich

Laetitia heißt nicht nur die Prestige Cuvee des Hauses, sie ist auch für den Betrieb insgesamt verantwortlich

Cuvée Laetitia

Das Prestige Cuvée des Hauses, benannt nach Tochter Laetitia. Die genaue Zusammensetzung wird nicht verraten, aber es ist ein etwas höherer Pinot Noir Anteil darin enthalten als Chardonnay. Einige mutmaßten, dass Serge den Cuvée Laetitia nach dem Solera Verfahren produzieren würde (ein Verfahren, das eigentlich zur Reifung von Sherry oder Brandy angewandt wird, angeblich soll es mal wieder Anselme Selosse gewesen sein, der dieses Verfahren vor einigen Jahren auch auf die Champagner Produktion übertragen hat).

Peter Liem hat aber bzgl. der Produktion der Cuvée Laetitia Folgendes herausgefunden: „It’s made by a perpetual blending system, initiated in the mid-1980s, in which a blend of many different vintages is housed in an enameled steel tank (two tanks, actually, since 2005) and a fraction of wine periodically drawn off, refreshed by the addition of wine from a recent vintage—a sort of mini-solera, without criaderas. Only the best vintages are used in this blend, and e.g. the release, bottled in 2009, contains wine from over 20 different vintages, the most recent of which is 2008.

Der Cuvée Laetitia stand zur Verkostung derzeit leider nicht zur Verfügung

Ein wahres Must Have/Drink! Billiot Cuvée Julie

Ein wahres Must Have/Drink! Billiot Cuvée Julie

Cuvee Julie
Benannt nach Laetitias Tochter. Die genaue Zusammensetzung wird nicht verraten, wohl aber in etwa 50% Pinot Noir & 50% Chardonnay. Auch wenn es auf der Flasche nicht so ausgewiesen ist, stammt eine Cuvée normalerweise aus einer Jahrgangsernte. Die Grundweine werden im Stahltank vergärt und reifen in Barriquefässern. 7g Dosage.

Ich habe die Julie verkostet, die aus der Jahrgangsernte 2006 stammte. Das Erlebnis beginnt schon mal mit einer ganz tollen Nase. Der Geschmack ist einfach umwerfend, ein absolutes Must Have! Extrem kompletter, eigenständiger, ausgewachsener Charakter. Brioche, geriebenes Muskat. Das Holz ist schon immer noch präsent, wenn das in Zukunft weiter reduziert wird, dann wird es perfekt. Hat mich dennoch begeistert, da das Holz sehr gut eingebunden war und der Champagner einen in sich sehr schlüssigen und komplexen Geschmackseindruck vermittelte.

Ein gefragter Rosé, insbesondere in den USA

Ein gefragter Rosé, insbesondere in den USA

Cuvée Rosé
Billiots Rosé genießt einen extrem guten Ruf unter den Rosés in der Champagne generell, da man sich mit dessen Produktion stets sehr große Mühe gegeben hat. Er gilt gemeinhin als extrem fein und ausdrucksstark. Es wird nur der Rebsaft der ersten Pressung verwendet und das Traubenmaterial wird noch strenger ausgewählt, als beim Cuvée Réserve.

Die Bereitung erfolgt nicht nach der Saignee Methode, (die man bei Billiot, die finessenreiche Weine produzieren möchten, als zu kräftig einstuft) oder der Mazeration, sondern der Grundwein wird mit Rotwein geblendet (4-8 % Ambonnay Rouge, je nachdem, welche Charakteristik der Rotwein im jeweiligen Jahrgang hat). Der Rotwein wird normalerweise im Barrique Fass ausgebaut und reift dort für ein Jahr. Laetitia verriet mir auch, dass sie im für den Rosé im Barrique Fass Zucker zusammen mit dem Rotwein vergären lassen. Das wäre quasi eines der Geheimrezepte, dass man nicht einfach am Ende eine herkömmliche Dosage verwendet, sondern der Zucker bereits mit dem Basisprodukt vergpren wurde. Das soll natürlicher und harmonischer schmecken.

Mir persönlich war der Billiot Rosé aber leider zu süß. Mir fehlte Frische und Spielfreude. Er hat laut Laetitia 10g Dosage, aber vom Geschmack her kommt es einem noch süßer vor. So will ihn eben die USA… Aber man können geg. auch eine schwächer dosierte Version bekommen. Im Abgang kam dann noch eine schöne Säure raus, als der erste Eindruck der Süße etwas abgeklungen war. Verkostet habe ich einen Rosé, der Mitte Januar degorgiert wurde.

2 thoughts on “Besuch bei Laetitia Billiot – April 2013

  1. Pingback: Champagner Reise April 2013: Winzerentdeckungen und das Thema Dosage | Glücksinseln

  2. Pingback: Champagne H. Billiot Fils | Augustine-Bar

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