Terres et Vins de Champagne – 22.04.13 im Castel Jeanson in Aÿ

Link zu den drei Verkostungstagen mit allen Produzenten

Luftiger Verkostungsort in Ay

Luftiger Verkostungsort in Ay

Bei meinen Verostungsnotizen muss ich vorausschicken, dass ich immer in erster Linie nach etwas ausgewogenem, komplettem suche. Genial finde ich, wenn verschiedene Geschmacksspektren angesprochen werden und alle miteinander verbunden sind (Säure sticht nicht heraus, nicht zu schwer, nicht zu fruchtig etc.). Als einen großen Champagner empfinde ich, wenn zu dieser geschmacklichen Ausgewogenheit noch etwas ganz Eigenes, ein eigener Charakter, etwas Besonderes hinzukommt (Laetitie & Julie von Billiot, Lagenweine von Janisson-Baradon, Tarlant Cuvée Louis etc.). Und ich fühle mich dann im absoluten Champagnerhimmel, wenn noch eine große Tiefe, Komplexität und ein besonders langer Nachhall hinzukommt (Diebolt Fleur de Passion, gereifterer Pierre Peters Les Chetillons, Selosse generell etc.).

Insofern hatte ich bei der Verkostung Terres et Vins so meine Probleme, da ich sehr viele der präsentierten Weine als eben nicht komplett empfand. Im Gegenteil, fast immer stach die Säure extrem heraus, war nicht eingebunden, was aber wohl auch am kurzfristigen Degorgement liegen könnte. Sicher werden sich viele dieser Produkte, wenn sie noch länger in der Flasche reifen positiv entwickeln.

Terres et Vins de Champagne – 22.04.13 im Castel Jeanson in Aÿ

Meine Favoriten: Doquet, Laval, Marie Courtin, Tarlant, Paulet, Franck Pascal, Agrapart

Verkostungsnotizen:

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Witziges Paar: Sohn und Vater Léclapart

Witziges Paar: Sohn und Vater Léclapart

Leclapart (**)

Artiste 2008

Ruraler Charakter, mehr wie ein Weißwein, ultrakrasse Säure, Tannine, anstrengend

Braucht sicher noch mehr Zeit.

L’Apotre 2007

Schon etwas mehr Körper als Artiste 2008, feine Briochenoten, wieder krasse Säure, Tannine, anstrengend

Alchimiste 2008

Extreme Nase, rural, es fällt einem schwer einen Schluck davon zu nehmen, ist dann aber von den dreien der Zugänglichste zum jetzigen Zeitpunkt. Sehr spannende Aromatik, aber auch hier reicht sicher ein Glas.

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Lahaye

Violaine

Extrem trocken mit viel Säure

Rosé x

Schmeckt wie ein Pinot Noir, ein besonderer Champagner mit Aussage, eher für Kenner, not easy Drinking

Milessime 2004

Vielleicht liegts am Degorgement, das nicht lange genug zurückliegt aber da fehlt mir komplett die Power und Substanz. Schmeckt wie ein Brut Zero NV. Wenn man ihn länger im Glas hat öffnet er sich etwas, zeigt ein wenig Brioche und Tabaknoten.

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Cyril Jeaunaux

Prestige Zero

(08/09)

Reduktiv, Sehr trocken, gut gemacht, macht aber keinen Spaß

Speciale Extra Brut

Reduktiv, ähnlich wie Prestige Zero, mit ein wenig mehr Substanz

Millessime

Definitiv der beste der drei, hat den meisten Körper, aber die Säure steht komplett nebendran, ist nicht eingebaut, macht keinen Spaß, wird vielleicht später runder/ausgewogener.

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Chartogne-Taillet (**)

Seine Champagner sind alle sehr mineralisch. Wer das mag, wird diesen Produzenten lieben. Wer mehr die voluminöseren, harmonschen Charaktere mag, wird mit ihm nicht gleich Freund werden.

Orizeaux

100% PN, 55 Jahre alte Rebstöcke, 4g. Dosage

Säure stark im Vordergrund, wird sich sicher noch besser einbinden, hat besonderen Charakter, fällt raus aus der Menge. Beim zweiten Tasting hatte er sich noch weiter geöffnet. Mir gefällt es aber nicht wirklich, mir fehlten bestimmte Geschmacksspektren, die es komplett machen und die Perlage, die sehr schäumte lies mich an Brause denken.

„Les Allies“

100% PM

Hatte etwas rurales, sehr reduktiv, empfand ich als schwierig, ähnlich wie Orizeaux

“Les Barres” Extra-Brut, 2007

100& PM

Emfand ich am komplettesten, wenn nicht wieder die Säure so nebendran stehen würde, da kommt bei mir kein Champagnergenuss auf.

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Pascal Doquet bei Terres et Vins 2013

Pascal Doquet bei Terres et Vins 2013

Doquet ***

Bei den Champagnern von Doquet, die ich zum allerersten Mal verkostet habe, bildete sich vor meinem inneren Auge sofort ein großes „Ja“. Immer ein Zeichen, wenn für mich alles stimmt und mich die Stilistik uneingeschränkt anspricht. Er verwendet auch mehr Dosage als seine Mitstreiter.

Horizon bdb xx

7g Dosage

Gefällt mir sehr gut, sehr stimmig und ausbalanciert.

2002 xxx

Schokolade, Honig, Vanillie, ein Traum, möchte gerne eintauchen und das Glas austrinken. Geriebene Muskatnuss, viel Körper, trotzdem leicht. Dicht und komplex. Nur die Perlage ist etwas grob.

2002 V.V. xx

Mir ist der einfache 2002er lieber, weil er frischer und leichter ist. Dieser hier ist sehr erdig und etwas schwer.

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Vincent Laval im Lieblingspulli

Vincent Laval im Lieblingspulli

Laval ***

Alles Brut Nature. Das erste Mal, dass ich überhaupt nicht überzu viel oder zu wenig Säure nachdenke, denn diese Aromatik ist so eigenständig und so anders, dass ich einfach nur geflashed bin. Ist nichts um es gemütlich am Kamin in romantischer Stunde zu trinken, eher in einer Runde von Weinbegeisterten. Hat so etwas rurales, schmutziges, aber in sich total stimmiges. Krass aber eben auch trinkbar.

Brut Nature xx

Ernte 10

Beschreibung siehe oben

Cumier xxx

1000% PM

Wie oben nur noch eine Schippe mehr

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Laherte

Ich muss gestehen, dass wo ich die Champagner das erste Mal in Düsseldorf während der Prowein 2013 im Industrieclub verkostet hatte, konnte ich überhaupt nichts damit anfangen. Jeder der Champagner hatte eine so unterschiedliche Stilistik, sie hätten auch aus verschiedenen Häusern stammen können, so mein Eindruck. Ich dachte, „der ist noch nicht so weit, noch am Experimentieren, den muss man beobachten“. Aber nachdem ich nun die Champagner von Laval verkostet hattee und am selben Tag den bdb Brut Nature von Laherte, da hat mich dieser so stark an den Stil Lavals erinnert, dass ich aufmerksam geworden bin. Denn bei Laherte haben wir immerhin einen blutjungen und superengagierten Winzer, dessen Karriere wir mitbegleiten könnten, während Laval schon extrem gesettled ist in der Freakgemeinde und die Champagner schon über 100€ kosten.

Bdb Brut Nature xx

Nachdem ich mich in diese Stilistik eingetrunken habe, finde ich es super spannend und ansprechend, etwas zum Entdecken für Leute, die das Besondere lieben

Empreintes x

Erinnerte mich in der Stilistik mehr an Janisson-Baradon, was zugegebenermaßen wieder eine ganz andere Baustelle ist. Aber was er auch hatte war deutlich mehr Säure als Cyrils Weine und etwas ebellisches, das mir gut gefiel.

Ultradition

Der ist mir leider viel zu süß, empfinde ich als pappig.

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Dream Team Melanie & Benoit

Dream Team Melanie & Benoit

Tarlant

Aus Zeitgründen habe ich es nicht geschafft, noch einmal die tolle Kollektion von Tarlant zu verkosten. Dazu hatte ich aber vor Kurzem bereits die ausführliche Gelegenheit, sowohl im Industrieclub in Düsseldorf und auf der Prowein. Tarlant spielt sicher ganz vorne mit, wenn es um authentische einzigartige Champagner geht, die sowohl eine große Anzahl an Menschen ansprechen, als auch Freunde von komplexen, tiefschichtigen Cuvées. Ob Brut Zero, La Vigne d’Or, Cuvee Louis oder die neuen Cuvées Vigne Royale und BAM!, Benoit und seine Schwester Melanie experimentieren viel, sind innovativ und bestens connected mit ihren Freunden und Kunden auf der ganzen Welt.

Champagner Botschafter Boris Maskow hat kürzlich auch einen interessanten Blogartikel über Tarlant veröffentlicht, mit vielen guten Verkostungsnotizen: http://networkedblogs.com/KUyQG

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Olivier Paulet **

Dieser Produzent macht Champagner, die etwas oldschool sind – auch der Macher dahinter ist eher ein gesetzterer aber sehr sympatischer Typ – aber sie bereiten eine wirklich groß Trinkfreude, man kann sie sich in der Gastronomie richtig gut vorstellen und der Risleus ist natürlich in wirklich großer Champagner.

Extra Brut

4,5g Dosage

Wirkt trotz der 4,5g etwas trocken, hat aber Körper und einen langen Nachhall, Brioche und Röstaromen

Rosé 2005 xxx

Für mich der beste Rosé des gesamten Events, was den Trinkspaß und Trinkfluss anbelangt. Superfrisch, voluminös, dicht, fröhlich, klasse, da stimmt alles.

Cuvée Risleus xx

Erinnert mich wiedermal an Toulette, nur noch frischer, spritziger. Sehr rund und komplett, toll eingebundene Säure, super.

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Marie Courtin **

Alle 0g Dosage, exklusiv bei Noble Wine in Deutschland. Bei der Präsentation von marie Courtin ist mir zum ersten Mal so richtig aufgefallen, was es für einen Unterschied macht, wenn man ganz frisch degorgierte Flaschen verkostet oder einen neuen Jahrgang, der noch nicht viel Zeit hatte zu reifen. So erschien mir die Säure bei den verkosteten Champagnern viel präsenter, als ich sie eigentlich kenne. Insofern ist mein Urteil, das oft auf eine starke Ssäure hinweist in manchen Fällen auch etwas zu relativieren und man sollte geg. beizeiten noch einmal nachverkosten.

Resonance 09 x

Feiner Charakter, langer Nachhall, stimmig und besonders, toller Einstieg ins Portfolio

Efflorescence 09 x

BdN

Zarte Apfelaromen, etwas Zimt, Brioche, geriebene Muskat, alles sehr zart zum Nachschmecken. Säure noch nicht so gut eingebunden bei diesem neuen Jahrgang, sticht etwas beißend heraus.

Eloquence xx

BdB

Eine echte Bank, für alle Fans von feingliedrigen, besonderen Charakteren, die sich Zeit lassen um ein Produkt zu entdecken. Der beste aus der Dreierkollektion, präsentiert sich am rundesten, komplettesten, ist ultrafein.

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Geoffroy **

Rose de Saigne

2g Dosage

Nase: duftig animierend, fand ich leider im Geschmack so nicht wieder: Sehr trocken, dazu schwere, erdige Töne und Erdbeere, mir fehlt das Leichtfüßige. Wahrscheinlich gut zum Essen.

Empreinte x

Schöner, runder, komplexer, aber auch zurückhaltender Champagner

2004 xx

2g Dosage

Hier hat man endlich mal was im Glas, wenngleich mir eine Dosage von 4-5 Gramm besser gefallen würde. Stimmig, würzig, kräuterig, eigenständig, körperreich, Brioche, etwas Erde

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Horiot

Zum ersten Mal einen Champagner mit Weißburgunderanteil verkostet. Ich finde es nicht schlecht, aber auch nichts, was ich wirklich  empfehlenswert finde, es macht den Champagner in meinen Augen nicht spannender oder besser.

Metisse x

50% PN, 50% Weißburgunder, 4g Dosage

Ungewöhnlicher Geschmack durch den Weißburgunder, aber nicht schlecht, dicht, Körper, kraftvoll

Séve Rosé de Saigne

Grobe Perlage, Bittertöne, Erdbeere, schwer, ganz okay

Séve 2008 bdn

0 dosage

Mir viel zu sauer

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Vincent Couche (Demeter)

Es gibt nur ganz wenige Demeter zertifizierte Champagner Weingüter, insofern hat mich Couche schon einmal besonders angesprochen. Leider hat mich aber die Verkostung nicht überzeugt, das kann aber daran liegen, dass in meinen Augen eine etwas eigenwillige Auswahl getroffen wurde. Ein Basis Champagner okay, dann aber noch ein süßer Champagner und ein gereifter. Da hätte mich noch viel mehr einer im Mittelfeld oder ein „normaler“ Milessime interessiert.

2003 Zero

Rund, ausgewogen, nicht zu trocken, hat Körper, sanfter Charakter, Brioche, Kaffeenoten, fehlt irgendwie der letzte Kick.

Bulle de Miel

75% PN, 25% CH, (Ernte 09), 34g Dosage

Wirkt nicht so süß, wie es klingt, erinnert an Honigbrot, Croissant mit Aprikosenmarmelade

Sensation 97

14 Jahre auf der Hefe, 2012 degorgiert, 50% CH, 50% PN, 8g Dosage

Die Sensation bleibt aus, Alterungston deutlich schmeckbar obwohl frisch degorgiert, Säure steht irgendwie nebendran, gefällt mir schon ganz gut, aber definitiv nicht für Jedermann.

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Marie-Noelle Ledru

Extra Brut

Sehr trocken, wenig Körper

2006

Mehr drin als beim extra Brut aber zu wenig

BdN 2008

Gefällt mir am besten, hat nicht ganz so viel Säure

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Goutorbe

Bdb Brut

9,5g Dosage

Gefällt mir ganz gut, einen Tick zu viel Zucker, Brioche, ausgewogen, ansprechend

2005

75% PN, 25% CH, zu süßlich, schwer, oldschool, ganz okay

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Bereche

Bdb

0g. Dosage

Würzig, geriebene Muskatnuss, erinnert mich an Toulette/Tuef Boeuf von Janisson-Baradon, Brioche, schöner Körper, leider keine Dosage, würde ihm viel besser stehen.

Le Cran 2006 xx

50% CH, 50% Pinot

Es kommt mir so vor, als wäre hier ein Anteil Chardonay Muskadet drin, wie beim Toulette, aber er sagt nein oder versteht nicht was ich meine, schmeckt mir sehr sehr gut, tolle Aromatik, rund und komplett.

Rosé

Ganz starkes Aroma von geriebener Muskatnuss, mir leider zu trocken

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Francis Boulard *

Les Murgiers Brut Nature x

Für Brut Nature sehr stimmig, viel Körper, macht Spaß

Les Rachais x

Sehr mineralisch, guter Körper, balanciert, einnehmend, sehr guter Essensbegleiter

Petraea xx

Körperreich, gereift, weich, zugänglich, toller Stoff!

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Agrapart **

Mineral 07

Sehr geschliffen, wenig Charakter im Moment, dafür viel Säure

Venus 07 xx

Körperreich, Schokolade, eigenständiger Charakter, toll

L’Avizoise xx

Wow, erinnert in der Aromatik wiedermal an Toulette, charakterstark, komplex

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Franck Pascal **

Reliance brut nature x

Gefällt mir gut, stimmig, Säure sehr gut eingebunden

Tolerance Rosé xx

Neben Paulet für mich der beste Rosé der Veranstaltung. Spielfreudig, fröhlich, animierend, frisch, von allem was drin und von nichts zu viel. Spitze.

2003 Cuvée Prestige xx

Wirkt in der Reihe jetzt etwas schwer, ist aber ziemlich sicher ein echtes Brett als Höhepunkt eines tollen Essens oder wenn man es mit viel Zeit und Muße genießt.

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Fabrice Poullion *

Bdb – Les Blanchiens

Hat etwas sanftes, ein wenig Brioche, kleisterig/pappig, kein Favorit

Nature de Maremil NV xx

50% CH, 50% PN (07), Dosage 0g.

Direkt nach Öffnen der Flasche erschien er einem wie Zitronenwasser mit Sprudel, wurde am morgen erst degorgiert. Später beim zweiten Taste: Etwas gröbere Perlage, geriebener Muskat, körperreich, Säure noch sehr präsent, wenn diese noch etwas mehr eingebunden sein wird in der Zukunft wird er sicher genial.

2006 2XOZ xx

100% Pinot

Keine Dosage, dafür Restsüße aus dem Grundwein. Sehr gut und speziell, geriebener Muskat, sehr langer Abgabg, sanfter, eleganter, tiefer Charakter, Farbe fast orange.

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2 thoughts on “Terres et Vins de Champagne – 22.04.13 im Castel Jeanson in Aÿ

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